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Wie finde ich eine Paartherapeutin und woran erkenne ich, ob sie gut ist?

Paartherapie, Partnerschaft, Sexualtherapie

(aus Gründen der besseren Lesbarkeit habe ich mich für die weibliche Schriftart entschieden)

Paarberatungen in staatlichen oder kirchlichen Einrichtungen

Wie ich in meinem Blog „Was kostet eine Paar- und Sexualtherapie“ beschrieben habe, gibt es einerseits Paartherapeutinnen, die in Beratungsstellen tätig sind und andererseits Paartherapeutinnen, die selbständig arbeiten. Dies sagt noch nichts über die jeweilige Qualifikation aus.

Paarberatungen in staatlichen oder kirchlichen Einrichtungen sind häufig kostenlos (bzw. die Klienten müssen nur wenig hinzuzahlen). Man kann davon ausgehen, dass Paartherapeutinnen in diesen Beratungsstellen eine qualifizierte Ausbildung haben müssen, weil sie ansonsten gar nicht eingestellt würden. Der Nachteil der Beratungsstellen ist allerdings, dass sie mittlerweile in der Regel ausgebucht sind und es deswegen Wartezeiten gibt. Das hat sich durch die Coronazeit und den damit verbundenen Themen wie Homeschooling und Homeoffice noch einmal verschärft. Viele Beratungsstellen nehmen deswegen nur noch  Paare, die minderjährige Kinder haben. Diese Einschränkung mussten auch die meisten Familienberatungsstellen vornehmen, weil sie die Menge an Anfragen nicht mehr bewältigen können.
Ein weiterer Nachteil kann sein, dass kann man sich in der Regel die Therapeutin nicht aussuchen kann, was immer dann relevant sein kann, wenn man z.B. von Freunden eine Empfehlung bekommen hat.

Bei der Suche nach einer selbständigen Paartherapeutin gehen heute die meisten über das Internet. Über das komplizierte und oft undurchschaubare Rankingsystem von „Google“ möchte ich an dieser Stelle nicht viel sagen, weil es den Rahmen sprengen würde. Nur sei kurz erwähnt, dass die Therapeutinnen, die ganz oben auf der Suchliste erscheinen, dafür bezahlen (man erkennt das an dem kleinen Kästchen „Anzeige“), was aber nicht heißt, dass sie die Besten sind.

Wie soll man nun bei der Internetsuche vorgehen?

Toll ist es natürlich, wenn man eine Empfehlung von Freunden bekommt! (Aber ich weiß natürlich, dass Freunde und Bekannte nicht unbedingt über ihre Beziehungsprobleme sprechen und es leider immer noch ein bisschen ein Tabuthema ist, wenn man eine Paartherapie macht).

Als erstes sollten Sie sich kritisch die Website ansehen: Ist sie professionell aufgemacht? Dabei helfen folgende Kriterien:

  • Welche Ausbildungen hat die Therapeutin? Wichtig ist zu wissen, dass „Paartherapeut/ Paartherapie“ keine geschützte Berufsbezeichnung ist. Achten Sie also darauf, dass die Therapeutin ein Studium absolviert hat, das schon in eine ähnliche Richtung geht (also z.B. Psychologie, Dipl.-Sozialarbeit, Dipl.- Sozialpädagogik u.ä.) und ob sie an anerkannten Instituten ihre Zusatzausbildungen gemacht hat. Diese sollten in der Regel zwischen 1-3 Jahren dauern und nicht nur ein paar Wochenenden beinhalten. Es lohnt sich auch, die jeweiligen genannten Ausbilder bzw. Ausbildungsinstitute zu googeln, um sich einen Eindruck über deren Seriosität zu verschaffen.
  • Wie viel Berufserfahrung hat die Therapeutin?
  • Wie viel Lebenserfahrung hat sie womöglich in Bezug auf eigene Beziehungserfahrungen?
  • Erscheint Ihnen das, was sie schreibt, plausibel, verständlich und vielleicht auch sympathisch, also: Spricht es Sie an? Finden Sie sich mit Ihrem Anliegen dort wieder?
    Oder wird Ihnen vielleicht etwas in Bezug auf „Heilung“/ „Erfolg“ versprochen, was unrealistisch erscheint?
  • Von wann ist der letzte Eintrag auf der Website?
  • Wie schnell und verbindlich reagiert sie auf Ihre Anfrage?
  • Werden die Preise transparent und verbindlich VORAB genannt?

Wenn einer von Ihnen die Internetrecherche gemacht hat, dann zeigen Sie Ihrem Partner/Ihrer Partnerin die Seiten, die Ihnen gefallen haben und überlegen Sie noch einmal gemeinsam, wer Ihnen Beiden am meisten zusagt. Vereinbaren Sie dann einen Termin für ein Erstgespräch. In der Regel müssen Sie sich nur für dieses eine Gespräch verpflichten. Sie haben dann bei einem persönlichen Kennenlernen die Möglichkeit zu prüfen, ob sich beide bei dieser Person gut aufgehoben fühlen.

Nach dem Erstgespräch sollten Sie gemeinsam folgende Fragen besprechen:

  • Fanden wir die Paartherapeutin sympathisch? Haben wir uns beide wohl gefühlt?
  • Hat sie das Anliegen von jedem von uns angenommen?
  • Ist es ihr gelungen, allparteiisch zu bleiben? Oder hat eine(r) von Ihnen das Gefühl, sie habe sich „auf eine Seite geschlagen“
  • War sie vielleicht zu schnell mit Ratschlägen, die für Sie nicht passend waren?
  • Wie war die Gesprächsatmosphäre?
  • Hat sie einen kompetenten Eindruck gemacht?
  • Hat sie die Gesprächsführung übernommen – oder hat sie das Gespräch einfach laufen lassen und Sie haben so miteinander gesprochen/gestritten, wie Sie es auch zu Hause tun würden?
  • Und last but not least: Haben Sie Lust, wieder hinzugehen? Gab es schon so etwas wie eine kleine Hoffnung, dass die Paartherapie bei Ihrem Problem helfen kann?


Manchmal braucht man noch eine zweite Sitzung, um all diese Fragen zu beantworten. Günstig ist es natürlich, wenn Sie sich auch aktiv mit Ihren Bedürfnissen einbringen und der Therapeutin sagen, was Sie im Erstgespräch vermisst oder gebraucht hätten. Aus Erfahrung weiß ich natürlich, dass man unmöglich alle wichtigen Themen in nur einem Gespräch ansprechen kann; manchmal braucht es etwas Geduld.

Und wenn es gar nicht passt, dann können Sie sich ohne schlechtes Gewissen eine weitere Paartherapeutin ansehen! Ich habe regelmäßig Klientenpaare, die vorher schon bei ein oder sogar zwei Kolleginnen gewesen sind.

Lesen Sie auch meinen Artikel zu den Kosten einer Paartherapie: https://paar-fit.de/wie-viel-kostet-eine-paartherapie/

und über meine Arbeitsweise in der Paartherapie: https://paar-fit.de/meine-arbeitsweise-in-der-paartherapie/

Petra Schmitz-Blankertz

Petra Schmitz-Blankertz

Paar- und Sexualtherapeutin, Suchttherapeutin, Diplom-Sozialarbeiterin, Psychotherapeutin (nach Heilpraktikergesetz)

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