Trennung- wie sagen wir es den Kindern?
20. Juni 2020
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Was brauchen die Kinder bei einer Trennung der Eltern?

Wenn Sie sich zu einer Trennung durch gerungen haben, dann sollten Sie sich klar machen, dass das Ihre Entscheidung und Ihr Bedürfnis ist – und nicht das Ihrer Kinder. Kinder wünschen sich, dass ihre Eltern zusammen bleiben! Das bedeutet: Sie müssen sich in der nächsten Zeit darauf einstellen, dass die Kinder heftige Gefühle zeigen können – und Sie müssen das begleiten, benennen und akzeptieren (z.B. „Du bist traurig darüber, dass der Papa nicht da ist!“ oder „Du bist manchmal wütend auf mich – das ist in Ordnung“.) Falls Sie bereits einen neuen Partner haben, der Grund oder Auslöser für Ihre Trennung war, denken Sie daran: Ihre neue Liebe ist nicht die Liebe Ihrer Kinder!

Übrigens: besonders achten sollten Sie auf das Kind, das scheinbar kaum reagiert! Solche Kinder werden oft als „pflegeleicht“ oder „unkompliziert“ bezeichnet, leiden aber häufig still und ziehen sich in sich zurück.

Erwarten Sie von Ihren Kindern kein Verständnis oder gar Trost

– hier gelten die elementaren Regeln aus der Familientherapie:

  • Eltern sind Eltern und Kinder sind Kinder (befinden sich also auf verschiedenen Ebenen)
  • Elternprobleme gehen Kinder nichts an!
  • Eltern geben – Kinder nehmen

Wie sagt man es den Kindern, wenn man sich trennt? Was brauchen die Kinder jetzt von Ihnen?

Am besten ist es, wenn das Gespräch darüber von beiden Elternteilen zusammen geführt wird und auch derjenige, der die Trennung vielleicht nicht möchte, dem zustimmt. Ich weiß, dass das demjenigen viel abverlangt – aber hier muss man die eigenen Gefühle hinter die der Kinder stellen, denn die Erwachsenen sind verantwortlich und die Kinder sind das schwächste Glied in der Kette. Wenn der Elternteil, der verlassen wurde, das emotional nicht hin bekommt, dann sollte er zumindest (seinen Kindern zuliebe !) versuchen, dabei zu sitzen und den anderen reden lassen. Vielleicht ist es ihm ja zumindest möglich, an der einen oder anderen Stelle wenigstens zu nicken.

In der Krise der Trennung und mit den Schmerzen, die das für die Eltern bedeutet, geht nach meiner Erfahrung als Paartherapeutin leicht der Blick auf die Kinder verloren, vor allem, weil die Eltern emotional sehr mit sich beschäftigt sind. Keiner macht das mit Absicht! Aber auch für die Kinder zerbricht ihre bisher vertraute Welt; sie sind zutiefst verunsichert; vielleicht fühlen sie sich sogar verantwortlich für die Trennung der Eltern, oder sie denken, sie könnten deren Beziehung noch retten.

Machen Sie sich folgendes klar: Die einzige Belastung für ein Kind, die schlimmer ist als sich zwei streitende Eltern, sind zwei geschiedene sich streitende Eltern!

Wenn Sie mit den Kindern sprechen, bereiten sie das Gespräch zu zweit vor, indem Sie sich überlegen, was Sie wie sagen wollen. Machen Sie keine falschen Versprechungen. Erklären Sie den Kindern, was bleiben und was sich ändern wird; geben Sie möglichst konkrete Informationen.

Die Botschaften für die Kinder müssen klar und altersgerecht sein

Z.B.:

  • „Ihr habt sicher mit bekommen, dass wir uns schon länger nicht mehr gut verstehen…“
  • „Wir möchten euch sagen, dass wir uns als Paar trennen werden, als Eltern sind wir weiterhin für euch da.“
  • „Ihr seid nicht schuld daran! Es hat nichts mit euch zu tun!“
  • „Sollten wir in nächster Zeit mal traurig oder belastet sein, müsst Ihr nichts tun – wir kümmern uns selbst um uns. (Oder wir holen uns Hilfe) -> Ihr seid nicht verantwortlich für uns!“
  • „Der Papa (die Mama) wird ausziehen… Was sich für euch ändert, werden wir euch rechtzeitig sagen.“
  • „Es tut uns sehr leid, dass wir Euch das jetzt zumuten, aber wir werden das schaffen.
  • „Wir haben euch weiterhin beide sehr lieb – daran ändert sich nichts.“

Solche oder ähnliche Sätze klingen für die Kinder ganz anders, als wenn z.B. einer sagt: „Eure Mutter hat mich rausgeworfen – sie will nicht mehr mit mir zusammen leben“ oder „Euer Vater hat jetzt eine andere Frau und verlässt uns“.

Sie können viel dazu beitragen, dass Ihre Kinder keine lebenslange seelische Beeinträchtigung entwickeln, indem Sie während und nach der Trennung versuchen, respektvoll mit ihrem (Ex-) Partner umzugehen. Auch wenn er Sie vermutlich verletzt haben wird – er bleibt weiterhin der Vater Ihrer Kinder (und das gilt natürlich umgekehrt auch in Bezug auf die Kindesmutter)! Das bedeutet:

  • Zwingen Sie Ihr Kind nie, gegen den anderen Elternteil Stellung zu beziehen, Schlechtes über ihn zu sagen oder sich Schlechtes über ihn anzuhören.
  • Benutzen Sie Ihr Kind nicht als Boten, um Informationen hin – und her zu tragen oder um etwas über den anderen herauszufinden.

Machen Sie sich klar (egal, ob Sie sich trennen oder ob Sie verlassen wurden): es geht jetzt darum, die Paarebene und die Elternebene voneinander zu unterscheiden. Auf der Paarebene können Sie sich strikt voneinander abgrenzen. (Der Wunsch „wir können doch Freunde bleiben“, funktioniert nach meinem Eindruck nur selten und meist auch nicht, ohne dass das Paar vorher eine Zeit lang einen Abstand zueinander hatte).

Auf der Elternebene werden Sie aber der Kinder zuliebe in den nächsten Jahren regelmäßig Kontakt haben und deswegen kommunizieren und kooperieren müssen.

Eine Trennung zu vollziehen, bedeutet in der Regel, dass beide Partner eine Krise durchleben – auch der, der sich trennen will. Denn jeder von beiden hat diese Beziehung mit Liebe und Hoffnung begonnen – und das Scheitern bedeutet immer, dass auch ein Lebenstraum zerstört wird, um den man jetzt trauert. Hinzu kommen meist Schuld- und Versagensgefühle und die Angst, die Kinder tatsächlich oder emotional zu verlieren. Hier kann es gut sein, sich einen Gesprächspartner zu suchen, der diesen Prozess begleitet. Das kann entweder ein Familienangehörige oder ein Freund/eine Freundin sein oder – wenn das nicht reicht – auch ein Psychotherapeut oder ein Mitarbeiter/ eine Mitarbeiterin aus einer Familienberatungsstelle.

Zu guter Letzt möchte ich Ihnen 20 Bitten von Kindern an ihre geschiedenen Eltern mit geben

(von Dr. Karin Jäckel, deutsche Buchautorin)

Meine liebe Mama, mein lieber Papa,

  1. Vergesst nie: Ich bin das Kind von euch beiden. Wenn ihr euch trennen wollt, ist das eure Sache. Ich liebe euch beide. Darum will ich mich nicht von euch trennen und keinen von euch verlieren. Bitte sorgt dafür, dass ich immer zu meiner Mutter und zu meinem Vater nach Hause kommen kann.
  2. Helft mir, zu dem Elternteil, bei dem ich nicht ständig bin, Kontakt zu halten. Vielleicht kann ich abwechselnd bei euch wohnen. Das wäre schön. Wenn das nicht geht, möchte ich wenigsten an den Wochenenden und in den Ferien mit jedem von euch zusammen sein. Wählt für mich die Telefonnummer, wenn ich anrufen möchte oder schreibt die Adresse auf einen Briefumschlag, wenn ich ein Bild für meinen anderen Elternteil gemalt habe. Helft mir, zu Weihnachten oder zum Geburtstag ein schönes Geschenk für meinen anderen Elternteil zu basteln oder zu kaufen. Macht von den neuen Fotos von mir immer einen Abzug für meinen anderen Elternteil.
  3. Fragt mich nicht, wen von euch beiden ich lieber mag. Ich habe euch beide gleich lieb. Macht den anderen also nicht schlecht vor mir. Denn das tut mir weh.
  4. Redet miteinander wie erwachsene Menschen. Ihr seid schließlich meine Vorbilder. Und benutzt mich nicht als Boten zwischen euch – besonders nicht für Botschaften, die meinen anderen Elternteil traurig oder wütend machen.
  5. Verplant nie die Zeit, die mir mit meinem anderen Elternteil gehört. Ein Teil meiner Zeit gehört meiner Mutter und mir, ein Teil meinem Vater und mir. Haltet euch daran.
  6. Seid nicht traurig, wenn ich euch verlasse und zu meinem anderen Elternteil gehe. Der, von dem ich weggehe, soll auch nicht denken, dass ich es in den nächsten Tagen schlecht hätte. Am liebsten würde ich ja immer bei euch beiden sein. Aber ich kann mich nicht in zwei Stücke reißen – nur, weil ihr unsere Familie auseinander gerissen habt.
  7. Seid nicht enttäuscht oder böse, wenn ich bei meinem anderen Elternteil bin. Ich vergesse keinen von euch, auch wenn ich mich dann nicht melde. Ich habe jetzt zwei Zuhause. Die muss ich auseinander halten, sonst kenne ich mich in meinem Leben überhaupt nicht mehr aus.
  8. Gebt mich nicht wie ein Paket vor der Haustüre meines anderen Elternteils ab. Bittet den Anderen für einen kurzen Moment rein und redet darüber, wie ihr mein schwieriges Leben einfacher machen könnt. Wenn ich abgeholt oder gebracht werde, gibt es kurze Momente, in denen ich euch beide habe. Zerstört das nicht dadurch, dass ihr euch anödet oder zankt.
  9. Lasst mich vom Kindergarten oder bei Freunden abholen, wenn Ihr den Anblick meines anderen Elternteils nicht ertragen könnt. Aber denkt daran: Ich liebe diesen Anblick. Also verhindert nicht, dass ich meinen anderen Elternteil sehe.
  10. Streitet euch nicht vor mir. Seid wenigstens so höflich miteinander, wie ihr es zu anderen Menschen seid und wie ihr es auch von mir verlangt.
  11. Erzählt mir nichts von Dingen, die ich noch nicht verstehen kann. Sprecht darüber mit anderen Erwachsenen, aber nicht mit mir.
  12. Lasst mich meine Freunde zu beiden von euch mitbringen. Ich wünsche mir ja, dass sie meine Mutter und meinen Vater kennen und toll finden.
  13. Einigt euch fair übers Geld und vergesst nicht, dass ich bei meiner Mutter und bei meinem Vater Hunger habe und ein Bett und etwas zum Anziehen brauche. Ich möchte nicht, dass ihr euch wegen mir um Geld streitet. Ihr habt mich zusammen gemacht, jetzt müsst ihr auch zusammen für mich sorgen.
  14. Versucht nicht, mich um die Wette zu verwöhnen. Soviel Schokolade kann ich nämlich gar nicht essen, wie ich euch beide lieb habe.
  15. Sagt mir offen, wenn ihr mal mit eurem Geld nicht klar kommt und meint nicht, ihr müsst mir unbedingt etwas kaufen, damit ich merke, dass ihr mich lieb habt. Für mich ist Zeit wichtiger als Geld. von einem gemeinsamen Spiel mit euch habe ich viel mehr als von einem neuen Spielzeug.
  16. Macht nicht immer so viel „action“ mit mir. Es muss nicht immer etwas Tolles oder Neues sein, wenn ihr etwas mit mir unternehmt. Am schönsten ist es für mich, wenn wir einfach fröhlich sind, spielen, kuscheln, reden und Zeit für einander haben.
  17. Lasst möglichst viel in meinem Leben so, wie es vor eurer Trennung war. Das fängt bei meinem Kinderzimmer an und hört bei kleinen Dingen auf, die ich mit euch gemeinsam oder ganz allein mit meinem Vater oder meiner Mutter gemacht habe. Es sind kostbare Erinnerungen für mich und helfen mir, meine neue Familiensituation zu verkraften.
  18. Sei lieb zu meinen anderen Großeltern – auch wenn sie bei eurer Trennung mehr zu ihrem eigenen Kind gehalten haben. Ihr würdet doch auch zu mir halten, wenn es mir schlecht ginge! Meine beiden Omas und Opas sind mir sehr wichtig.
  19. Seid fair zu dem neuen Partner, den einer von euch findet oder schon gefunden hat. Mit diesem Menschen muss ich mich ja auch arrangieren. Das kann ich besser, wenn ihr euch nicht gegenseitig eifersüchtig belauert. Es wäre sowieso am besten für mich, wenn ihr beide bald jemanden zum Liebhaben findet. Dann seid ihr nicht mehr so böse aufeinander.
  20. Seid optimistisch. Eure Ehe habt ihr nicht hingekriegt – aber ihr seid immer noch meine Eltern. Also lasst uns wenigsten die Zeit danach gut hinbekommen. Ich glaube, es hilft uns allen, wenn ihr meine Bitten an euch ernst nehmt. Vielleicht redet ihr miteinander darüber. Aber streitet nicht. Benutzt meine Bitten nicht dazu, dem anderen vorzuwerfen, wie schlecht er zu mir ist. Wenn ihr das macht, habt ihr nicht kapiert, wie es mir jetzt geht und was ich brauche, um mich wohler zu fühlen.

In Liebe Euer Kind (©Dr. Karin Jäckel; www.karin-jaeckel.de)

 

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