Paartherapie
Verzeihen und Versöhnen unter therapeutischer Anleitung
18. Januar 2019
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Jeder von uns wünscht sich doch nichts mehr, als eine glückliche und beständige Partnerschaft.

Es ist jedoch kaum möglich, eine längere Beziehung mit einem Menschen zu führen, ohne dass man sich gegenseitig kleinere und größere Verletzungen zufügt. Viele Paare suchen professionelle Hilfe auf, weil Kränkungen, Enttäuschungen und seelische Verletzungen nicht bewältigt werden können. Häufig werden sie nicht angesprochen und sind uns gar nicht bewusst, führen aber auf Dauer zu einer inneren Distanz, negativen Gefühlen dem Partner gegenüber, Enttäuschungen und manchmal auch Verbitterung. Wenn dieser Prozess über Jahre anhält, wird die Partnerschaft langsam vergiftet. Gefühle von Ärger, Bitterkeit und dem Wunsch nach Rache führen immer wieder zu Streit und gegenseitigen Vorwürfen und nicht selten auch zur Beendigung einer Beziehung. Es ist nicht leicht, Verletzungen hinter sich zu lassen und auf Gerechtigkeit (also dem Zurückzahlen von Schuld) zu verzichten.

Bei Verzeihen und Versöhnen hingegen geht der Weg nicht über einen Ausgleich. Beide Partner müssen aufeinander zugehen, indem jede(r) Verständnis für das Verhalten des anderen entwickelt (was nicht bedeutet, dass man das verletzende Verhalten akzeptiert!). Derjenige, dem es möglich wird zu verzeihen, gewinnt selber an Freiheit. Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass Verzeihen gesünder ist, weil es zu körperlichen und psychischen Symptomen führt, wenn man mit einem anderen Menschen im Groll lebt. Und für die Kinder ist es eine tiefgehende Erfahrung, wenn sie spüren, dass die Beziehung der Eltern wieder besser wird und man Konflikte lösen kann.

Verzeihen unter therapeutischer Anleitung vollzieht sich in folgenden Schritten:

  1. Ansprechen der Verletzung
  2. Verstehen durch den anderen
  3. Anerkennen der verletzenden Wirkung
  4. Verzeihen
  5. gemeinsames Aushandeln darüber, was eine Möglichkeit der Wiedergutmachung (im Verhalten) sein kann

Wenn eine Versöhnung für einen der Partner nicht (mehr) möglich ist, können auch andere Vereinbarungen/Lösungen gefunden werden wie:

-> eine Distanzierung auf Zeit

-> neue Regeln und Absprachen für den Kontakt

-> Abschied und Beendigung der Beziehung

Oft geht es bei meinen Klienten um die sehr schwierige Frage (insbesondere, wenn es gemeinsame Kinder gibt): „Trennung oder Bleiben“? Ich würde diese Frage gerne umformulieren in „Trennung oder Neuanfang“, denn ich möchte dem Paar dabei helfen, herauszufinden, ob es für einen Neuanfang genügend Ressourcen gibt – und das ist etwas ganz anderes als „einfach so weiter zu machen und die Zähne zusammen zu beißen“!

In diesem Sinne kann eine Paartherapie nicht nur dabei helfen, die Paarbeziehung zu stabilisieren und zu verbessern, sondern auch, dass wir in anderen Beziehungen (zu unseren Kindern, Kollegen, Freunden etc.) achtsamer mit uns und dem anderen umgehen. Und so können wir  unsere Zukunft aktiv gestalten, weil nicht mehr automatisch das „alte Programm“ abläuft.

Aber man sollte auch nicht verschweigen, dass es manchmal ein „zu spät“ oder ein „zu viel“ (an Verletzungen) gibt und dann ein Neubeginn nicht mehr möglich ist.

In meinem Seminar „Warum hat du das getan? Verzeihen und Versöhnen in Beziehungen“, das am Donnerstag, den 23.01.2020 um 19 Uhr in der VHS Stolberg stattfindet, wird es um dieses Thema gehen.