Die 5 Sprachen der Liebe (Teil 2)
16. April 2020
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Wie man die Kommunikation in einer Partnerschaft verbessern kann – die 5 Sprachen der Liebe (Teil 2)

Nach dem amerikanischen Paartherapeuten Gary Chapman gibt es 5 verschiedene Typen von Menschen, da sie ihre Liebe auf unterschiedliche Art erleben (möchten). Er teilt sie danach ein, was dem jeweiligen Menschen am Wichtigsten ist. (Natürlich handelt es sich um ein Hilfskonstrukt, weil jeder Mensch individuell ist und sich sicher nicht auf 5 Gruppen reduzieren lässt. Es geht hier nach meinem Eindruck mehr um eine Tendenz und weniger darum, dass man nicht auch von den anderen Sprachen ein bisschen „sprechen kann“).

Typ 1. Lob und Anerkennung

Diese Menschen brauchen anerkennende und wertschätzende Worte von anderen- dann blühen sie richtig auf, fühlen sich wahrgenommen und werden motiviert.

Das können Sie für Ihren Partner tun, wenn er die Sprache von Lob und Anerkennung spricht:

  • sich bedanken für das, was er für Sie im Alltag tut
  • ihm Komplimente machen
  • ihm Mut machen (z.B.: „Ich traue Dir das zu!“)
  • ihm Ängste nehmen
  • ihm seine Fehler/Schwächen nicht ständig vor Augen führen oder sie ihm sogar verzeihen
  • Wertschätzung für das zeigen, was er gut kann oder für Sie/die Familie gemacht hat
  • ihn in der Öffentlichkeit loben
  • ihm sagen: „Ich liebe dich“ oder „Ich habe dich vermisst“
  • ihm über das Handy Botschaften schicken, z.B. wenn er etwas Schwieriges am Tag erledigen muss

Typ 2. Zweisamkeit  – die Zeit nur für dich!

Diesem Menschen genügt es nicht, „nur“ Zeit mit dem anderen alleine zu verbringen, sondern es geht um die ungeteilte Aufmerksamkeit und einen intensiven Gedankenaustausch dabei.
Damit sind wir gleich bei einem Thema, das in meinen Paartherapien immer wieder auftaucht: unser Umgang mit dem Handy und co. Vor einiger Zeit habe ich z.B. mit einem Ehepaar darüber gesprochen, warum ihre siebenjährige Tochter sich beim Abendessen oft auffällig verhält – und es stellte sich heraus, dass sowohl Mutter als auch Vater mit dem Tablet neben dem Teller die Mahlzeit einnehmen. Das Kind versuchte also höchstwahrscheinlich, ihre Aufmerksamkeit zu bekommen.

Wenn unsere Aufmerksamkeit abgelenkt ist, können wir nicht gut auf unseren Partner eingehen und es kann keine Intimität entstehen. Jeder von uns kennt die Enttäuschung oder Kränkung, wenn wir über ein wichtiges Thema sprechen und der andere währenddessen auf sein Handy schielt oder das Gespräch unterbricht, weil er einen Anruf entgegen nimmt. Dafür haben Fachleute jetzt einen Fachbegriff erfunden, das „Phubbing“ (das Wort setzt sich zusammen aus „Phone“ und to snub, englisch: vor den Kopf stoßen). Neue wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass das die Beziehungen belastet.

Viele Menschen, denen es sehr wichtig ist, dass sie mit ihrem Partner über ihre Gefühle und Gedanken sprechen können, haben vielleicht in ihrer Kindheit erlebt, dass sich ihre Eltern nicht dafür interessiert haben oder sie beim Zeigen ihrer Gefühle sogar bestraft wurden. So haben sie gelernt, ihre Gefühle zu unterdrücken, was nicht selten so weit geht, dass sie sie irgendwann selber nicht mehr spüren. Wenn sich nun der Partner dafür interessiert, wie es ihnen geht, was sie erlebt haben oder welche Meinung sie haben, fühlen sie sich mit ihm verbunden und von ihm gewertschätzt. Dafür muss er sich die Zeit nehmen, dem anderen zu zuhören.

Das können Sie für Ihren Partner tun, wenn er die Sprache der Zweisamkeit spricht:

  • ihm zuhören (und nicht nach schnellen Lösungen suchen oder Ratschläge geben!)
  • dabei nichts anderes tun (wie Nachrichten auf dem Handy lesen, fernsehen etc.)
  • ihn nicht schnell unterbrechen, z.B. um über Sie selber zu sprechen
  • unternehmen Sie etwas nur zu Zweit (besonders das, was Ihrem Partner Spaß macht)
  • gehen Sie zusammen spazieren und unterhalten Sie sich dabei
  • planen Sie einmal im halben Jahr ein Wochenende (oder, wenn Sie das wegen Ihrer Kinder nicht organisieren können, zumindest einen Tag) nur für Sie beide
  • machen Sie einmal in der Woche einen „Pärchenabend“ (der auch zu Hause stattfinden kann)

Typ 3. Geschenke, die von Herzen kommen

Diese Menschen freuen sich über Geschenke, wobei nicht nur materielle Geschenke gemeint sind, sondern auch, dass man seine Zeit dem anderen schenkt, z.B. wenn es ihm schlecht geht.

Das können Sie für Ihren Partner tun, wenn er die Sprache der Geschenke spricht:

  • Schreiben Sie eine liebevolle Nachricht und legen Sie sie aufs Kopfkissen, den Frühstücksteller oder in die Brotdose.
  • Schenken Sie etwas Selbstgemachtes
  • Schenken Sie Ihrem Partner, dass Sie ihn in der nächsten Zeit zu etwas begleiten, was ihm wichtig ist (und Ihnen vielleicht etwas abverlangt).
  • Bringen Sie Blumen mit
  • Bringen Sie seine/ihre Lieblingsschokolade mit

Typ 4. Hilfsbereitschaft

Menschen, die diese Sprache sprechen, spüren die Liebe des anderen, wenn er etwas für sie tut (was sie selber vielleicht nur ungern machen oder von dem der Partner weiß, dass sie sich darüber freuen). Ihnen sind Taten wichtiger als Worte.

 Das können Sie für Ihren Partner tun, wenn er die Sprache der Hilfsbereitschaft spricht:

  • kochen Sie schön für ihn/sie
  • helfen Sie ihm, ohne dass er Sie darum bitten muss
  • nehmen Sie ihm Dinge ab, die ihm schwer fallen
  • überraschen Sie ihn damit, dass Sie schon etwas erledigt haben, was er vor sich hergeschoben hat
  • bieten Sie Ihrem Partner etwas zu trinken an (so, wie wir es ja auch mit jedem anderen Gast machen würden) und bringen ihm das Getränk, z.B. eine Tasse Kaffee morgens ans Bett

Typ 5. Zärtlichkeit

Sicher hat jeder Mensch das Bedürfnis nach Körperkontakt und Zärtlichkeit – aber in der Intensität gibt es Unterschiede. Für die Menschen, deren Sprache  Zärtlichkeit ist, ist z.B. eine Umarmung besonders wichtig, wenn sie sich in einer Krise befinden, aber genauso das tägliche Hand in Hand gehen. Mit Zärtlichkeit ist hier übrigens nicht Sexualität gemeint, sondern die „nicht zielgerichteten“ Berührungen.

Das können Sie für Ihren Partner tun, wenn er die Sprache der Zärtlichkeit spricht:

  • kleine Gesten, wie z.B. die Hand während der Autofahrt auf das Knie des anderen  legen
  • küssen Sie sich zum Abschied und/oder zur Begrüßung
  • gehen Sie zur selben Zeit abends ins Bett und halten sich vor dem Schlafen im Arm
  • streicheln Sie Ihrem Partner im Vorbeigehen über den Rücken
  • bieten Sie eine Fuß- oder Rückenmassage an
  • kuscheln Sie beim Fernsehen oder gemeinsamen Lesen auf dem Sofa

Vielleicht denken Sie jetzt, dass es gar nicht einfach ist, herauszufinden, welche Sprache der Liebe Sie selber oder Ihr Partner sprechen, weil Sie sich in jedem der fünf Typen ein bisschen wieder finden. Das kann durchaus sein; vielleicht sind Ihnen auch 2 Ebenen gleichermaßen wichtig.

Wie kann man nun herausfinden, welcher Liebestyp man ist?

Beantworten Sie für sich (und Ihren Partner) folgende Frage:

  • Was kränkt Sie am Meisten am Verhalten Ihres Partners?
  • Was vermissen Sie bei ihm am Meisten bzw. worum haben Sie ihn am häufigsten gebeten?
  • Wie bringen Sie Ihrem Partner Ihre Liebe zum Ausdruck? (Wahrscheinlich werden Sie genau das tun, was Sie sich von ihm wünschen).
  • Welche Eigenschaften hätte Ihr „idealer Partner“?
  • Und vervollständigen Sie bitte folgenden Satz: „Die Liebe meines Partners spüre ich am Meisten, wenn er/sie…

Wenn Sie jetzt schon eher einen Eindruck haben, welche Liebessprache die ihre ist, dann fragen Sie sich noch: „Wie voll – auf einer Skala von 0-10- ist mein Liebestank zur Zeit?„. Sie können dann Ihren Partner dasselbe fragen, und vielleicht interessiert es Sie, was Sie dafür tun können, dass sein Liebestank wieder voller wird? Denn, wenn ich noch einmal an meinen Gedanken vom Anfang des Blog (Teil 1) anknüpfe, es ist eine bewusste Entscheidung, den Bedürfnissen des Partners entgegen zu kommen.

Puh- das ist gar nicht so einfach!

Sicher haben es Paare leichter, die dieselbe Liebessprache sprechen. Wenn Sie sich entscheiden, die Sprache Ihres Partners sprechen zu wollen, dann wird es nicht automatisch so sein, dass Ihnen das (sofort) liegt oder Sie dabei glücklich sind. Die Haltung, die dahinter steht, ist eher die, dass man sich darum bemüht, dem anderen ein guter Partner zu sein/ zu werden. Sie können auch Ihren Partner fragen, ob er diesbezüglich einen Wunsch oder einen Tipp für Sie hat.

Mir ist bewusst, dass diese Haltung keine einfache ist, weil sie Ihnen viel abverlangt, nämlich bei sich selber anzufangen und das ist besonders schwierig für Menschen, die sich schon lange durch das Verhalten des Partners verletzt fühlen. Im Idealfall kann sich aber nach meiner Erfahrung als Paartherapeutin bei beiden der Liebestank wieder füllen, es entsteht eine Atmosphäre der Toleranz, mit dem „milden Blick auf den anderen und seinen Schwächen„, die es (wieder) möglich macht, Probleme zu besprechen und Unterschiede anzuerkennen. Wäre das eine attraktive Perspektive für Sie?

Paartherapeuten gehen übrigens davon aus, dass über 70% der Paarprobleme gar nicht lösbar sind, sondern es nur um einen anderen Umgang damit gehen kann!

Und zu guter Letzt möchte ich noch auf das Buch von Gary Chapman hinweisen, in dem es am Ende einen „Liebessprachentest“ gibt, der Ihnen helfen kann, herauszufinden, welche Sprache Sie und welche Ihr Partner spricht.

Hier ist der Link zum Buch: Link.