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Immer wieder kommen Frauen in meine Praxis für Paar-und Sexualtherapie, die über Schmerzen beim Geschlechtsverkehr klagen.

Vaginismus ist eine unwillkürliche Verkrampfung der Beckenbodenmuskulatur, die dazu führt, dass sich die Scheide verengt. Die Frau hat das Gefühl, dass „nichts mehr rein geht, alles eng ist“ und es weh tut, wenn sie etwas aufnehmen will. Verspannung, Schmerz und Angst (vor dem Schmerz) sind dabei immer beteiligt und führen mit der Zeit zu einem Teufelskreis. Dabei ist die Verspannung selber meist nicht schmerzhaft, aber der Versuch, etwas in die Scheide einzuführen. Der Schmerz kann auch danach noch länger anhalten und bis in die Beine strahlen. Die Partner der Frauen beschreiben, dass sie den Penis nicht einführen können, und es sich anfühle wie „gegen eine Wand stoßen“.

Manche betroffenen Frauen können gar nichts in die Scheide einführen

(z.B. kein Tampon, keinen Finger, kein Spekulum bei der gynäkologischen Untersuchung), andere Frauen haben das Problem nur beim Geschlechtsverkehr.

Fachleute unterscheiden den primären Vaginismus (das bedeutet, dass die Frau das Symptom schon immer hatte) und den sekundären Vaginismus (es stellt sich erst im Laufe der Zeit ein, z.B. nach einer Operation oder einem sexuellen Übergriff).

Quelle: Paartherapie bei sexuellen Störungen, Hsrg. Margret Hauch, 2019

Wichtig ist: es handelt sich nicht um einen anatomischen Defekt


(z.B. „Ich bin zu eng gebaut“), sondern um eine reflexartige Schutzreaktion des Körpers, die sich in einer unwillkürlichen (meist auch ungewollten) Verkrampfung der Beckenboden- und Scheidenmuskulatur zeigt.

Schmerzen werden im Gedächtnis gespeichert und schon bald führt eine Schmerzerwartung zu einer Verkrampfung und einem erneuten Schmerz. (Stellen Sie sich z.B. vor, wie Sie beim Zahnarzt im Behandlungsstuhl sitzen und schon die Schulter hochziehen und die Muskeln anspannen, bevor er mit dem Bohrer kommt, vermutlich, weil Ihr Körper schon den Geruch der Zahnarztpraxis und das Geräusch des Absaugers erkennt).

Wie kann man das in einer Sexualtherapie behandeln?

In der Sexualtherapie wird die betroffene Frau angeleitet und begleitet, zu Hause (erst einmal für sich alleine) mit Vaginalstäben (man nennt sie auch Dilatoren) zu üben, die verschiedene Größen haben. Sinniger Weise sollte Frau dabei unbedingt mit dem kleinsten Stab anfangen. Es gibt diese Stäbe aus Kunststoff oder aus Silikon.

Später wird der Partner mit in die Übungen der Sexualtherapie einbezogen.

Wichtig ist zu verstehen, dass diese Stäbe nicht die Scheide dehnen sollen oder müssen! Sie sind auch nicht unbedingt dazu geeignet, dass die Frauen sich ohne Anleitung und therapeutischer Unterstützung damit auf den Weg machen, denn wenn sie damit falsch umgehen (im Sinne von „zu schnell“ oder mit zu viel Leistungs- Druck), können sich Angst und Schmerzen sogar noch verschlimmern! Der Weg geht nur über Entspannung und das Sammeln von guten Erfahrungen in kleinen Schritten, so dass allmählich ein Gefühl von Sicherheit entstehen kann. Die Scheidenmuskulatur ist im entspannten Zustand sehr elastisch, wenn man bedenkt, dass sogar ein Babykopf durch passt!

Vaginismus hat (meist unbewusst) eine Schutzfunktion und ist eine Art „körperliche Notbremse„. Wenn man gemeinsam mit der Therapeutin die psychosexuelle Entwicklung und die Beziehungserfahrungen aus der Vergangenheit versteht, wird meistens klarer, dass das Symptom einen Sinn hat und ernst genommen werden muss. Das muss nicht immer eine gravierend schlechte Erfahrung wie z.B. eine Vergewaltigung oder ein sexueller Übergriff in der Kindheit sein. Ich habe bei meinen Klientinnen auch schon gesehen, dass es z.B. die schmerzhafte Erfahrung war, dass der erste junge Mann, mit dem sie Sex hatten und in den sie sehr verliebt waren, sie danach schnell verlassen hat.

Auch die Angst vor einer Schwangerschaft oder einer Geschlechtskrankheit kann eine Rolle spielen.

Man kann solche Ängste bearbeiten, aber nicht einfach „wegtrainieren“.

Vaginismus ist aber ein gut zu behandelndes Symptom im Rahmen einer Sexualtherapie.

Die Frauen lernen dort, für sich günstige Rahmenbedingungen (in der Sexualität, aber vielleicht auch überhaupt in ihrer Beziehung) herauszufinden, zu denen sie ja sagen können und sich gleichzeitig von dem abzugrenzen, was sie nicht möchten, so dass allmählich nicht mehr der Körper das “ Nein“ übernehmen muss.

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Petra Schmitz-Blankertz

Petra Schmitz-Blankertz

Paar- und Sexualtherapeutin, Suchttherapeutin,Diplom-Sozialarbeiterin, Psychotherapeutin (nach Heilpraktikergesetz)

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